Vollmondnacht auf Schloss Tenneberg in Waltershausen

 

Pünktlich um 20.22 Uhr soll er aufgehen, der Vollmond über Schloss Tenneberg, aber dunkle Wolken verhindern erfolgreich, einen Blick darauf zu werfen. Und auch die Temperaturen des derzeitigen Sommers verhinderten am vergangenen Samstag, dass das Konzert mit dem Liedermacher Alex Schmeisser im Schlosshof stattfindet.

Positiver Nebeneffekt ist allerdings, dass die zwar spät, aber zahlreich erschienenen Gäste einen oder auch mehrere Blicke in den wunderschönen Festsaal mit seinen wirklich beeindruckenden Malereien werfen können.

Alex Schmeisser, gebürtiger Waltershäuser und in seiner Wahlheimat Bad Münster am Stein lebender Musiker, ist zum diesjährigen Gothaer Kinderliederfestival angereist, um das junge Publikum mit seinen zahlreichen Kinderliedern zu erfreuen. Da bietet es sich natürlich an, auch mal wieder ein Konzert für große Leute zu geben und somit seine „unerhörten Lieder“, so lautet der Titel seines Programms, zu Gehör zu bringen.

Seine Texte spiegeln wieder, was Alex berührt, was ihn beschäftigt, womit er sich identifiziert.

Mit einem Augenzwinkern nimmt er Nachbarn auf den Arm, mit einem traurigen Blick verarbeitet er den Verlust eines geliebten Menschen. Er lässt das Publikum wissen, wo Männer mal ganz unter sich sind („Nur am Becken“), er träumt auch von fernen Weiten um dann doch wieder hier anzukommen und sich wohl zu fühlen.

Alex gibt Geschenke-Tipps für Schwiegereltern und stellt und beantwortet die Frage, was nach der „Halbzeit“ des Lebens wohl noch kommen mag.  Er begeht eine Tat, welche im Moor endet und singt im durchschnittlichen Arbeitstempo (schnell, schneller, am schnellsten!) eines Pädagogen über seine Erlebnisse im Kindergarten, während seiner Praktikums- und Ausbildungszeit zum Erzieher. Im Publikum sitzen Gleichgesinnte, die zustimmend nicken und sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Zu guter Letzt wirft Alex Schmeisser noch eine Frage in den Saal: „Möchten Sie ein Kinderlied hören?“ Alles nicken, tja, und wer nickt, muss natürlich auch mitmachen, genau wie bei den Kindern.

In einfacher Gebärdensprache heisst es: „Oben auf dem Haus, oben auf dem Dach. Schaut mal, wer ist da noch wach?“ Manch ein Gast kommt dabei ganz schön ins Schwitzen, aber spätestens nach der 3. Strophe klappt es hervorragend.

Witzige und unterhaltsame Zwischentexte, sowie die Mundharmonika des guten Geistes (also nicht das Schlossgespenst) Thomas Reinecke (Initiator der Vollmondnächte),  rundeten das musikalische Bühnenprogramm ab und machten den Abend zu einem kurzweiligen Trip in Alex’ Gedankenwelt.

Wer Lust auf mehr bekommen hat, der sollte sich mal auf die Seite www.guckindiewelt.de einloggen.

Mir bleibt nur zu hoffen, dass Alex Schmeisser auch in Zukunft seine Erlebnisse in Lieder packt und uns daran teilhaben lässt.

 

Birgit Bessert